Aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft … dass sie laufen und nicht müde werden (Jesaja 40,31)




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GOTT LIEBT LÄUFER

Hin und wieder kriegt man als christlicher Läufer (oder als laufender Christ) von anderen „Frommen" zu hören, dass das Laufen ja nun absolut keine „christliche Tätigkeit" sei und dass man eigentlich nur die kostbare Zeit verschwendet und diese viel nützlicher einsetzen könne. Das ist falsch! Laufen ist eine wunderschöne Beschäftigung. Wir brauchen uns dafür weder zu schämen noch zu entschuldigen, weil Gott uns dieses tolle Hobby geschenkt hat. Er hat uns die Gesundheit und die Kraft dafür gegeben, Er hat die wunderschönen Landschaften geschaffen, die einem Lauf das „Sahnehäubchen" aufsetzen und Er hat uns auch den nötigen Verstand geschenkt, dieses Hobby im richtigen Maß in unser Leben zu integrieren. Und im übrigen – man kann beim Laufen auch wunderbare Gebetszeiten haben ...

Der eine oder andere wird an dieser Stelle wohl trotzdem einwenden, dass es „wichtigere" oder „geistlichere" Tätigkeiten gibt als ausgerechnet irgendwo zwei Stunden lang durch den Wald zu laufen. Mag sein. Allerdings sollte man dabei bedenken, dass manche unserer angeblich so wichtigen geistlichen Beschäftigungen nichts anderes sind als selbst auferlegte Frömmigkeitsübungen. Jesus ist nicht in diese Welt gekommen, um bestimmte alte religiöse Regeln durch neue religiöse Regeln zu ersetzen. Er ist gekommen, um die Regeln und Gesetze durch sich selbst zu ersetzen! Von ihm hören wir in der Bibel relativ wenige Sätze wie: „Du darfst dieses nicht, Du darfst jenes nicht", sondern wir hören: „Folge mir nach!" (oder mit anderen Worten: „Werde mir ähnlich. Tu das, was ich tue.") Jetzt kann man natürlich sagen: „Jesus ist aber nicht in Laufschuhen durch die Gegend gejoggt und er hat sich auch nicht zum Bethlehem-Marathon angemeldet ..."

Stimmt! Aber er hat auch nicht in der Fußgängerzone Traktate verteilt oder sich mit der Gitarre irgendwo hingestellt, um den Leuten aufzulauern. Er hat keinen Posaunenchor oder eine christliche Rockband gegründet. Er hat keine Seniorennachmittage veranstaltet oder Seelsorgeseminare organisiert. Er hat sich keinen schwarzen Talar angezogen oder Orgel gespielt. Und er hat auch keine Pantomimengruppe gegründet (...wofür ich ihm sehr dankbar bin ...;-)). Trotzdem gibt es in unserer christlichen „Subkultur" jede Menge Dinge, die wir automatisch als geistlich wertvoll ansehen und viele andere Dinge, die wir eher missbilligen.

Um es klar zu sagen: Gott hat nichts gegen Seniorennachmittage und Er hat auch nichts gegen Posaunenchöre oder Pantomimengruppen (obwohl ich mir manchmal wünschte, es wäre so ...;-)) Er möchte, dass wir diese Gelegenheiten nutzen, um Kontakt miteinander zu haben, um voneinander zu lernen und Ihm zu dienen. Und Er möchte natürlich auch, dass wir zu einer Gemeinde gehören und die Gottesdienstveranstaltungen besuchen.

Trotzdem glaube ich manchmal, dass Jesus, wenn er heute unterwegs wäre, nicht unbedingt in die Kirchen gehen würde (außer natürlich in unsere ...;-)) Er würde sich vielleicht eher in eine Kneipe setzen oder auf den Fußballplatz gehen und dort den Menschen begegnen. Das klingt provokant, aber wenn wir mal in die Bibel hineingucken, dann sehen wir, dass Er oft genug bei den Ausgestoßenen, bei den Kranken, bei den Prostituierten, bei den Zöllnern war. Er wurde dafür von den religiösen Führern ziemlich heftig kritisiert, aber das war Ihm offensichtlich egal. Weil Er die Menschen liebte, weil Er ihnen die gute Botschaft von der Erlösung bringen wollte und weil Er sie schätzte. Oder anders gesagt, weil Er sie in ihrer Herkunft, in ihren Umständen, in ihrem Lebensumfeld ernst nahm.

Als Läufer weiß ich, dass man einen anderen Läufer mit ziemlicher Sicherheit nicht mit einem Traktateinsatz in der Innenstadt mit dem Evangelium erreichen wird. Erstens, weil er vermutlich gar nicht durch die Innenstadt geht, sondern seine Trainingsrunde läuft. Zweitens, weil er, wenn er doch mal durch die Stadt geht, vermutlich auf dem Weg zum nächsten „Runners Point" ist, um sich neue Laufschuhe zu kaufen und sich deshalb äußerst ungern anlabern lässt. Drittens, weil er mit seinen Gedanken beim nächsten Laufwettkampf oder Marathon ist und viertens, weil er sich nicht ernst genommen fühlt. Menschen wollen in ihren Lebensumständen ernst genommen werden. Sie werden nur jemandem zuhören, von dem sie sich verstanden fühlen. Ein Läufer wird sich deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nur von einem anderen Läufer (oder zumindest von einem anderen Sportler) verstanden fühlen.

Jesus hat die Menschen ernst genommen. Er hat ihnen nicht zuallererst gesagt: „Das, was du tust, entspricht aber nicht meinen religiösen Vorstellungen." Nein, Er hat sich zu ihnen gesetzt, Er hat sich um sie gekümmert, Er hat ihnen geholfen. Und Er hat immer wieder bestimmte religiöse Regeln verletzt, um den Menschen zu helfen (siehe beispielsweise die Heilungen am Sabbat).

Mal ehrlich: Erwarten wir ernsthaft, dass ein Mensch, der mit seinem Leben rundum zufrieden ist und der gerne ab und zu mit seinen Kumpels im Biergarten sitzt, sich davon beeindrucken lässt, wenn wir kommen und ihm sagen: „Du, dein Leben muss anders werden. Statt deinen Hobbys und dem Biergarten gibt es in Zukunft langweilige Gottesdienste mit furchtbarem Gesang und ohne Bier ..."?

Das Leben mit Jesus bedeutet Freiheit. Gott sagt in seinem Wort, dass er uns keinen Geist der Knechtschaft gegeben hat, sondern der Freiheit. Er hat uns nicht ein Leben voller Verbote, Regeln, Gesetze und Durchführungsverordnungen gegeben, um dieses Leben möglichst schwierig und unerträglich zu machen, sondern Er hat uns lediglich einige Hilfen (Gebote) gegeben, um uns vor Schaden und der Trennung von Ihm zu bewahren.

Und sofern wir uns – mit Seiner Hilfe – darum bemühen, diesen Weg zu gehen, werden wir ein herrlich freies Leben haben, das Lebenslust, Freude, Erfüllung und Spaß bringt (und auch vor tollen Hobbys und Abenden im Biergarten nicht zurückschreckt ...).

Mach das Laufen nicht zu deinem Lebensinhalt oder zu deiner Ersatzreligion. Aber glaub an Jesus und lauf, so oft es dir Spaß macht ...

(von Klaus Fischer)